CfP | Diversität und Vielfalt

Theo­rien und Empi­ri­sche Befunde inner­halb der Stadt-, Raum– und Architekturforschung

Call for Papers für das 8. Tref­fen des Nach­wuchs­netz­wer­kes Stadt Raum Archi­tek­tur an der Goethe-Universität Frank­furt, 9. und 10. Novem­ber 2012.

Der Call rich­tet sich an Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rIn­nen aus allen Dis­zi­pli­nen, wel­che sich wis­sen­schaft­lich mit Stadt, Raum und/oder Archi­tek­tur­for­schung beschäf­ti­gen. Abstracts zu den Bei­trä­gen (max. 500 Wör­ter) kön­nen bis 15. Sep­tem­ber 2012 als pdf-Datei an grube@em.uni-frankfurt.de geschickt werden.

»In kei­ner Gesell­schaft ste­hen sich ein­fach nur eine Mehr­heit und Min­der­hei­ten gegen­über. In Städ­ten, ins­be­son­dere in moder­nen Metro­po­len, ist die Wirk­lich­keit kom­pli­zier­ter (…): Öko­no­mi­sche Pros­pe­ri­tät, soziale Dyna­mik und krea­tive Inno­va­tio­nen sind in Glo­bal Cities ver­bun­den mit Mobi­li­tät und Ein­wan­de­rung sowie mit der Ent­wick­lung zu einer von Hete­ro­ge­ni­tät und stän­di­gem Wan­del gepräg­ten „Welt­stadt“« – und wir­ken auf die Gesamt­si­tua­tion als Stadt in Stadt­ent­wick­lung, ihrem Selbst­ver­ständ­nis, auf Sozi­al­po­li­tik und Wirt­schafts­för­de­rung. Für die Bewoh­ner bedeu­tet dies eine Über­la­ge­rung sozia­ler Lagen, Berufs­wege, Bio­gra­phien und Zuge­hö­rig­keits­ge­füh­len: »ein Neben– und Mit­ein­an­der sich über­kreu­zen­der, sich ver­än­dern­der, sich wei­ter aus­dif­fe­ren­zie­ren­der oder auch mischen­der und neu bil­den­der Milieus. (…) Das macht Städte für viele attrak­tiv, (für) man­che das Leben in Städ­ten anstren­gend«[1]

Diese Aus­züge wie die­ser aus dem Diver­si­täts­kon­zept der Stadt Frank­furt bele­gen sowohl die gestie­gene Auf­merk­sam­keit auf Viel­fäl­tig­keit inner­halb städ­ti­scher Gesell­schaf­ten als auch deren beson­dere Rolle im Kon­text gesamt­städ­ti­scher Ent­wick­lungs­pro­zesse. Diver­si­tät geht über die bloße Vor­stel­lung eines gesell­schaft­li­chen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus hin­aus und bedeu­tet zugleich mehr als die Aus­dif­fe­ren­zie­rung von sozia­len und kul­tu­rel­len Prak­ti­ken zu Lebens­sti­len oder Milieuräu­men. Neue Kon­zepte wie bei­spiels­weise das der »Super-Diversity« von Ste­ven Ver­to­vec ver­su­chen, die brei­ter und immer kom­ple­xer erschei­nen­den, aktu­el­len Migra­ti­ons­for­men auf­zu­grei­fen  und sie als Aus­druck für die über alle soziale Schich­ten und Her­kunfts­grup­pen ver­teilte soziale, kul­tu­relle und sprach­li­che Viel­falt inner­halb moder­ner Gesell­schaf­ten zu ver­ste­hen.[2] In die­sem Kon­text spricht Regine Röm­hild von einem »neuen Kos­mo­po­li­tis­mus«, womit eine Art trans­ver­sale urbane Bewe­gung gemeint ist, die Reli­gio­nen, Kul­tu­ren, Lebens­stile, Lebens­for­men und Lebens­ent­würfe, die oft geo­gra­phisch wie zeit­lich von­ein­an­der ent­fernt lie­gen, auf lokale Ebene zusam­men­bringt.[3] Aus dem Blick­win­kel die­ses metho­do­lo­gi­schen Kos­mo­po­li­tis­mus gehö­ren migran­ti­sche Wirk­lich­kei­ten heute unver­zicht­bar zur städ­ti­schen Nor­ma­li­tät[4]

So wird aus mul­ti­kul­tu­rell kos­mo­po­li­tisch, aus dem sozial hete­ro­gene Pro­blem­vier­tel wird ein urba­ner Melting Pot und die ehe­mals als mar­gi­na­li­siert bezeich­ne­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen zum wesent­li­chen Ele­ment städ­ti­scher Lebens­rea­li­tä­ten und Ent­wick­lungs­dy­na­mi­ken. Diver­si­tät als ethnisch-kulturelle Viel­falt wird auf der einen Seite im Bereich von Tou­ris­mus­för­de­rung, Erschlie­ßung frei­zeit­li­cher Kon­sum­wel­ten oder auch im Rah­men der Rege­ne­rie­rung migrantisch-geprägter Alt­bau­quar­tiere als sozi­al­räum­li­ches Qua­li­täts­merk­mal gezielt betont, Diver­si­tät als sozia­ler Viel­falt hin­ge­gen ist bei­spiel­weise bei Sicher­heits­po­li­ti­ken im öffent­li­chen Raum weni­ger ein­deu­tig konnotiert.

Der Call for Paper „Diver­si­tät und Viel­falt“ zum 8. Tref­fen des Nachwuchswissen-schaftlerInnennetzwerks Stadt Raum Archi­tek­tur sucht Bei­träge, die mit fol­gen­den Begrif­fen und Gegen­sät­zen aus­ein­an­der set­zen, diese auf­grei­fen, adap­tie­ren, neu­den­ken oder kri­tisch hinterfragen:

  • Glo­ba­li­sie­rung und Melting Pot, Kos­mo­po­li­tis­mus und Translokalität
  • Moderne Gesell­schafts­kon­zepte und urban citizenship
  • Glo­bale Dis­kurs­ver­schie­bun­gen und Neu­aus­rich­tun­gen städ­ti­scher Politiken
  • Aus­dif­fe­ren­zie­rung und lokale Kon­zen­tra­tion von Ökonomien
  • Diver­si­tät in Stadt­image und Place Bran­ding, in Stand­ort­mar­ke­ting und Quartierstourismus
  • Segre­ga­tion und Kon­zen­tra­tion, Mar­gi­na­li­sie­rung und Zusam­men­halt, Inklu­sion und Exklusion

Der Work­shop bie­tet Raum, theo­re­ti­sche und empi­ri­sche Vor­träge zu prä­sen­tie­ren, die im Rah­men von Diplom-, Magis­ter,- oder Mas­ter­ab­schluss­ar­bei­ten ent­stan­den sind, oder aus lau­fen­den Dis­ser­ta­ti­ons– und Habi­li­ta­ti­ons– oder ande­ren For­schungs­pro­jek­ten zu berichten.

Call_NWNW8_2012_Diversitaet und Viel­falt in PDF-Version

mehr Infor­ma­tio­nen zum Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rIn­nen Netz­werk Stadt Raum Archi­tek­tur hier

 

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