CFP | Stadt und Migration: Neue Forschungsansätze zu Citizenship, Macht und Agency

CfP für eine Themenausgabe von s u b \ u r b a n. zeitschrift für kritische stadtforschung

Dead­line 15. Juni 2013

Kaum ein sozial– und kul­tur­wis­sen­schaft­li­ches For­schungs­feld hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so dyna­misch ent­wi­ckelt wie das der Migra­ti­ons­for­schung. Dabei ist eine deut­li­che Annä­he­rung an und kon­zep­tio­nelle Ver­schrän­kung mit der Stadt­for­schung zu beob­ach­ten. Nach glo­ba­li­sie­rungs­theo­re­ti­schen Ansät­zen und (trans­na­tio­na­len und) trans­kul­tu­rel­len Kon­zept­ent­wick­lun­gen in den 1990er Jah­ren wer­den zuneh­mend (wie­der) lokale Dimen­sio­nen von Migra­ti­ons­dy­na­mi­ken in den Blick genom­men. Ange­sichts des Bedeu­tungs­zu­ge­winns von Städ­ten im Zuge der glo­ba­len Res­ca­ling­pro­zesse wird davon aus­ge­gan­gen, dass Migra­ti­ons– und Ver­or­tungs­pro­zesse sowie Dyna­mi­ken der Inklu­sion und Exklu­sion heute in hohem Maße auf der städ­ti­schen Ebene geprägt wer­den. Auch in der öffent­li­chen migra­ti­ons­po­li­ti­schen Dis­kus­sion wer­den Migra­ti­ons­pro­zesse ver­stärkt als ein städ­ti­sches Phä­no­men kon­zep­tua­li­siert und in zum Teil kul­tur­pes­si­mis­ti­schen Sze­na­rien als »Krise der Städte« oder auch als Her­aus­bil­dung von »Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten« ver­han­delt. Zugleich ist eine Ver­schie­bung des öffent­li­chen Dis­kur­ses zu beob­ach­ten, die dar­auf hin­weist, dass Migra­ti­ons­be­we­gun­gen einen ent­schei­den­den öko­no­mi­schen, poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Fak­tor dar­stel­len, der die Neu­po­si­tio­nie­rung der Städte im Kon­text der natio­na­len und über­re­gio­na­len Stand­ort­kon­kur­renz mit beein­flusst. Dem ent­spre­chend wird das Thema »Stadt und Migra­tion« von Stadt­pla­nungs– und Stadtmarketing-konzepten deut­scher Metro­po­len mitt­ler­weile expli­zit auf­ge­grif­fen, dabei aller­dings oft auf das Stich­wort »Stadt der Viel­falt« reduziert.

Trotz der inno­va­ti­ven Ent­wick­lun­gen auf die­sem For­schungs­feld wer­den viele Ansätze und Per­spek­ti­vie­run­gen, die die migra­ti­ons­wis­sen­schaft­li­che For­schungs­land­schaft in Deutsch­land gegen­wär­tig bestim­men, den plu­ri­kul­tu­rel­len und durch­aus sozial kon­flikt­rei­chen Ent­wick­lun­gen nicht aus­rei­chend gerecht. Dies betrifft vor allem das Inte­gra­ti­ons– aber auch das Diversity-Paradigma. Nach wie vor wird meist aus der Per­spek­tive der Mehr­heits­ge­sell­schaft auf »die« Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft geblickt und Migrant_innen als die »kul­tu­rell Ande­ren« iden­ti­fi­ziert.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist es das Ziel des The­men­hef­tes, neuere post– eth­ni­sie­rende stadt– und migra­ti­ons­wis­sen­schaft­li­che For­schungs­an­sätze auf ihren theo­re­ti­schen Gehalt, ihre kon­zep­tio­nelle Inno­va­ti­ons­kraft und ihre empi­ri­schen Stär­ken und Schwä­chen hin ver­glei­chend zu dis­ku­tie­ren. Als zen­tra­ler Refe­renz­punkt soll vor allem die inter­na­tio­nal viru­lente Debatte um Urban Citi­zenship die­nen. Der Begriff zielt auf eine dif­fe­ren­zierte Unter­su­chung städ­ti­scher Bedin­gun­gen für die soziale, poli­ti­sche, öko­no­mi­sche und kul­tu­relle Par­ti­zi­pa­tion am gesell­schaft­li­chen Leben ab. Neuere kon­struk­ti­vis­ti­sche Citizenship-Ansätze beto­nen zudem die aktive, her­vor­brin­gende Seite all­täg­li­cher »acts of citi­zenship« (Engin Isin) und legen den Schwer­punkt auf die kon­kre­ten Prak­ti­ken jen­seits des kodi­fi­zier­ten Rechts.
Diese Per­spek­tive erscheint uns als beson­ders inno­va­tiv und erkennt­nis­för­dernd, da sie einer­seits die Per­spek­tive des städ­ti­schen Regie­rens der Migra­tion auf­wirft und gleich­zei­tig in der Lage ist, migran­ti­sche Akteure, migran­ti­sche agency und Hand­lungs­macht jen­seits eth­ni­sie­ren­der und kul­tu­ra­lis­ti­scher Para­dig­men zu fokus­sie­ren. Mit einer sol­chen dop­pel­ten Per­spek­ti­vie­rung auf macht– als auch auf akteurs­theo­re­ti­sche Fra­gen jen­seits von »Kul­tur« und »Eth­ni­zi­tät« will sich das Heft deut­lich von den domi­nan­ten Dis­kur­si­vie­run­gen des The­mas abset­zen und zu einer kon­tro­ver­sen und pro­duk­ti­ven Debatte ein­la­den. Ins­be­son­dere soll sich das geplante Heft mit fol­gen­den Fra­gen befassen:

  • In wel­chem Ver­hält­nis steht das Urban Citizenship-Konzept zu ande­ren migrationswissen-schaftlichen und stadt­ori­en­tier­ten Zugän­gen wie etwa der
  • Inte­gra­ti­ons– und Exklu­si­ons­for­schung? Worin beste­hen pro­duk­tive und pro­ble­ma­ti­sche Unter­schiede und Überschneidungen?
  • Worin beste­hen wie­derum Eng­füh­run­gen und kri­ti­sche blinde Fle­cken? Wie könnte das Urban Citizenship-Konzept aus einer kri­ti­schen migra­ti­ons– und stadt­wis­sen­schaft­li­chen Per­spek­tive erwei­tert und ergänzt werden?
  • Wie lässt sich das Kon­zept in der empi­ri­schen For­schung umsetzen?

Wel­che Erfah­run­gen gibt es bis­lang damit und wel­che Pro­bleme sind dabei auf­ge­tre­ten? Die Redak­tion lädt zur Ein­sen­dung von Exposés/Artikelvorschlägen von 1–2 Sei­ten bis zum 15. Juni 2013 ein; die fer­ti­gen Arti­kel sol­len bis zum 1. Okto­ber 2013 vor­lie­gen. Sie sol­len einen Umfang von 40.000 — 60.000 Zei­chen (inklu­sive Leer­zei­chen, Fuß­no­ten Lite­ra­tur­ver­zeich­nis) nicht über­schrei­ten und durch­lau­fen vor der Publi­ka­tion ein Peer-Review Ver­fah­ren. Die Ver­öf­fent­li­chung des The­men­hef­tes ist für Früh­jahr 2014 geplant. Autor_innenhinweise fin­den sich auf www.zeitschrift-suburban.de.

Zusen­dun­gen bitte als word– oder rtf-Dateien an: henrik.lebuhn@sowi.hu-berlin.de, shess@uni-goettingen.de, hutta@gmx.net oder tinemuell@googlemail.com

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