Policing American Style in Frankfurt am Main?

*Neuerscheinungen*

Kün­kel, Jenny (2013): San Diego ist bes­ser als das Wun­der von New York. Poli­zei­stra­te­gien im Wider­streit. In: Loick, Daniel (Hrsg.): Wes­tEnd Neue Zeit­schrift für Sozi­al­for­schung · Heft 1, 2013 (The­men­heft: Sozio­lo­gie der Poli­zei), S. 87–98. Down­load

 

*In Kürze*

Kün­kel, Jenny (2013, im Druck): Wahr­neh­mun­gen, Stra­te­gien und Prak­ti­ken der Poli­zei in Gen­tri­fi­zie­rungs­pro­zes­sen – am Bei­spiel der Pro­sti­tu­tion in Frank­furt a.M.. In: Belina, Bernd (Hrsg.): Kri­mi­no­lo­gi­sches Jour­nal (The­men­heft: Raum).

Kün­kel, Jenny (under review): Urban Policy Mobi­li­ties ver­sus Policy Trans­fer – Poten­tiale und Fall­stri­cke für die Ana­lyse der Neu­ord­nung des Städ­ti­schen. In: Heeg, Susanne; Pütz, Robert & Vogelp­ohl, Anne (Hrsg.): Geo­gra­phi­sche Zeit­schrift (The­men­heft: Neu­ord­nun­gen des Städtischen).

Kün­kel, Jenny (under review): Ver­schie­bung loka­ler Kräf­te­ver­hält­nisse durch Trans­fer Talk: Wahl­kampf­stra­te­gie­trans­fer, Ideo­lo­gie­trans­fer und Trans­fer als Dis­kur­s­e­le­ment. In: Geo­gra­phi­sche Zeitschrift.

 

Internationaler Transfer von Polizeistrategien als Element städtischer Sicherheitspolitik

Das Pro­jekt unter­sucht den Ein­fluss von policy trans­fer aus den USA – ins­be­son­dere Trans­fer von zero tolerance poli­cing, bro­ken win­dows theory und com­mu­nity poli­cing – auf den Wan­del städ­ti­scher Sicher­heits­po­li­tik in Frank­furt am Main. Denn Sicher­heit und Ord­nung in der Stadt ent­wi­ckel­ten sich seit den 1990er Jah­ren zu zen­tra­len gesell­schaft­li­chen The­men; und die neuen gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen sti­mu­lier­ten die „ler­nende Orga­ni­sa­tion“ Poli­zei zu zahl­rei­chen Refor­men – sowohl unter Rück­griff auf Wis­sen aus ande­ren Län­dern als auch durch Inno­va­tio­nen vor Ort.

Seit den spä­ten 1980er Jah­ren wan­delte sich die Wahr­neh­mung von Pro­ble­men der Sicher­heit. Orga­ni­sierte Kri­mi­na­li­tät, nicht zuletzt „Aus­län­der­kri­mi­na­li­tät“ und Jugend­ge­walt lös­ten die poli­tisch moti­vier­ten Straf­ta­ten, die den Medi­en­dis­kurs der 1970er und 1980er Jahre geprägt hat­ten (zunächst v.a. Ter­ro­ris­mus und spä­ter Haus­be­set­zun­gen), als zen­trale The­men der öffent­li­chen Dis­kus­sion ab. Die Poli­zei sah sich mit wach­sen­den Auf­ga­ben bei sta­gnie­ren­den per­so­nel­len Res­sour­cen kon­fron­tiert. Neben die Bemü­hun­gen um mehr „Bür­ger­nähe“, all­ge­meine Prä­ven­tion und ein ver­bes­ser­tes sub­jek­ti­ves Sicher­heits­ge­fühl einer­seits und ver­stärkte repres­sive und prä­ven­tive Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung beson­ders schwe­rer und wie­der­hol­ter Kri­mi­na­li­tät (Stich­wort: „Inten­siv­tä­ter“) ande­rer­seits tra­ten daher Ver­su­che der interne Reor­ga­ni­sa­tio­nen und Effi­zi­enz­stei­ge­rung bei der Poli­zei im Sinne des Neuen Steuerungsmodells.

Par­al­lel ver­än­derte sich die Situa­tion in den Städ­ten. Mit wach­sen­der Städ­te­kon­kur­renz stieg auch das Inter­esse der Stadt­po­li­tik, Stadt­tou­ris­mus und Unter­neh­mens­an­sie­de­lung zu sti­mu­lie­ren sowie befürch­tete Flucht­be­we­gun­gen der Mit­tel­schich­ten aus den Städ­ten auf­zu­hal­ten. Sichere und sau­bere Innen­städte gewan­nen an Bedeu­tung. Die Kom­mu­nen ver­stärk­ten die Bemü­hun­gen nicht nur um Sicher­heit son­dern auch um Ord­nung vor allem in den Stadt­zen­tren. Zugleich geriet die zuneh­mende soziale und eth­ni­sche Segre­ga­tion in den Fokus von Stadt­for­schung und öffent­li­cher Dis­kus­sion. Im Vor­der­grund stan­den dabei Pro­bleme in ehe­ma­li­gen Arbei­ter­vier­teln am Innen­stadt­rand und Groß­sied­lun­gen am Stadt­rand. Stadt­po­li­ti­sche Reak­tio­nen umfass­ten ein brei­tes Spek­trum an Des­se­gre­ga­ti­ons­stra­te­gien, aber auch eine Aus­wei­tung der kom­mu­na­len Kriminalprävention.

In die­ser „Refor­mära“ schien die Über­nahme von Poli­zei­stra­te­gien aus den USA, die ähn­li­che Pro­bleme adres­sier­ten, attrak­tiv. Bis­wei­len etwas auf­ge­regt dis­ku­tier­ten Poli­tik und Öffent­lich­keit in den Medien über Null­to­le­ranz. Etwas nüch­ter­ner fie­len die Debat­ten in poli­zei­li­chen Fach­krei­sen über Com­mu­nity Poli­cing aus.

Doch was ist geblie­ben von den inten­si­ven Debat­ten der spä­ten 1990er Jahre über US-amerikanische Poli­zei­stra­te­gien? Wel­che Aspekte wur­den seit­her tat­säch­lich über­nom­men (wie und warum)? Wel­che alter­na­ti­ven loka­len „Inno­va­tio­nen“ oder Reform­stra­te­gien wur­den ent­wi­ckelt und ergänz­ten oder ersetz­ten diese Strategien?

Am Fall­bei­spiel der Glo­bal City Frank­furt soll unter­sucht wer­den: Wie Voll­zog sich der Wan­del städ­ti­scher Sicher­heits­po­li­tik in Frank­furt am Main seit den gro­ßen Reform­de­bat­ten der 1990er Jahre? Wie genau „pas­sier­ten“ Refor­men des städ­ti­schen Poli­zie­rens und wel­chen Ein­fluss spielte das Vor­bild USA? Wel­che Vor­stel­lun­gen vom „guten Poli­zie­ren der Stadt“ wer­den heute umgesetzt?

Das Pro­jekt unter­sucht diese Fra­gen mit­tels einer Metho­den­kom­bi­na­tion. Es beginnt mit einer Maxqda-basierten Ana­lyse von poli­zei­li­chen Fach­t­ex­ten und Tages­presse. Ergänzt wird diese durch Inter­views mit Expert/innen aus Voll­zugs– und Stadt­po­li­zei in Frank­furt am Main.

Das Pro­jekt ist Teil des For­schungs­schwer­punkts „Neu­ord­nun­gen des Städ­ti­schen“ am Insti­tut für Human­geo­gra­phie der Goe­the Uni­ver­si­tät Frankfurt.

Pro­jekt­be­ar­bei­tung:

Jenny Kün­kel ist Diplom­in­ge­nieu­rin der Stadt– und Regio­nal­pla­nung. Der­zeit pro­mo­viert sie über die lokale Regu­lie­rung von Pro­sti­tu­tion an der FU Ber­lin und arbei­tet als Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin im DFG-geförderten For­schungs­pro­jekt „Poli­cing Ame­ri­can Style in Frank­furt am Main?“ am Insti­tut für Human­geo­gra­phie der Goe­the Uni­ver­si­tät Frank­furt. Mehr…



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